Monatsspruch Mai 2019

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir. 2 Sam 7,22

MonatsspruchMai19König David spricht diese Worte, nachdem der Prophet Nathan ihm eine von Gott gesegnete Zukunft weissagt.
David ist jener König, aus dessen Geschlecht der kommen soll, von dem Jesaja schon sagt, dass er die Königsherrschaft Davids als „Der Friedefürst“ übernehmen werde, in diesem Reich werde des Friedens kein Ende sein und er regiere durch Recht und Gerechtigkeit bis in Ewigkeit. Von dem wissen wir, dass er Jesus Christus heißt, der Sohn Gottes und Heiland der Menschen ist.

Zurück ins Alte Testament: Samuel war Richter und Prophet, der Israels erste Könige salbte, auch König David, von dem obiger Ausspruch stammt. David machte Jerusalem zur königlichen Hauptstadt und ließ die Bundeslade dorthin bringen. Damit war Jerusalem zugleich politische und religiöse Hauptstadt.

David wird ein gesegneter, siegreicher König und hinterlässt außer einem geordneten Königreich auch viele Psalmen und Lieder, denn er war auch ein musisch begabter Mensch.
Seine Dichtungen, Gebete und Psalmen kreisen immer wieder um den Inhalt seines Zitates unserer Mai-Losung:
Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.
Einige Beispiele:

Aus dem Buch Samuel: Der Herr ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter.
Gott ist mein Hort auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heils.
 Aus den Psalmen:  Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln
Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?
Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in großen Nöten. 

David hat – so meine ich – das erkannt, worin wir uns immer noch – und immer wieder – schwer tun:
Die Heiligkeit! Die Größe! Die Allmacht Gottes!
Menschen haben Gotteshäuser gebaut, die an Kunstschätzen reich sind, die zum Himmel zeigen und in denen wir versuchen uns dieser Heiligkeit, Größe und Allmacht würdig zu zeigen.

Wie geht das denn? Gott demütig oder – seiner All-Regentschaft- gemäß – Gott ehrfürchtig zu begegnen?
Eigentlich versagen wir allesamt kläglich.
In unseren Gottesdiensten ziehen wir schon mal alle Register: Gesänge, Chor, Musik, Orgelbrausen, intensive Predigten, Licht oder Kerzen-Dämmerschein, Düfte (z.B. Weihrauch) und goldene Ausschmückungen der Kirchenräume – all das sind Versuche von uns Menschen, die Heiligkeit, Größe und Allmacht Gottes hervor zu heben.

Können wir damit tatsächlich …         der umwerfenden Liebe,
dem Licht, der Stille,
diesem Universum an Güte und Barmherzigkeit unseres Gottes, 
  … etwas an Ehre erweisen? 

Gelingt es? Genügt es? Stellt es uns zufrieden? Finden wir es ausreichend?
Ich denke wir scheitern.
Trotz aller Bemühungen.

Und dennoch können wir David nachsprechen: Es ist kein Gott außer dir! Ja wir dürfen uns mit Jesus Christus zu seiner Familie zählen als Brüder und Schwestern, die zum Vater kommen.
So wie wir sind. Und genau dort, wo wir sind!
       Das ist eine Auszeichnung.
       Das ist unvergleichlich herrlich.
      Das ist erhebend, ja berauschend schön.
Und gleichzeitig so beschämend, weil wir uns ja doch
             als schwach und verführbar,
              als treulos und sündhaft erkennen.
In dieser Spannung leben Christen.
Die Spannung aushalten und immer wieder bekräftigen: Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.
Das ist die Auszeichnung, die wir als Christen genießen.

Zusätzliche Gedanken zu: „Gott, es ist keiner wie du!“

Wir können alle Superlativen anwenden, die wir kennen.
Die beste, weltbewegendste, erfolgreichste, umwerfendste zutiefst zu Herzen gehende, unermesslichste, …
… Heldentat, Aktion, Rede, Einsatz,… tun, einbringen, ausbreiten, …
und wir kämen Gottes Herrlichkeit keinen cm näher.

Das Herrlichste Schloss, die köstlichste Speise, das tollste Auto oder die teuerste Jacht, die zutiefst ergreifende Geschichte, der intensivste Hilfseinsatz, das allerhöchste Hochhaus, die umwerfendste Erfindung, das erschütterndste Schicksal, der reichste Besitz, die überwältigendste Magie, das innigste Liebesgefühl, der kitschigste Sonnenuntergang, die unbeschreiblichste Leistung, die unerschütterlichste Freundschaft, …
Alles das kann Gott immer noch nicht beschreiben, in seiner Herrlichkeit, Vollkommenheit und Größe.

Ich frage mich, wie begegne ich diesem großen Gott, ich kleiner, unvermögender Mensch, der ich mich oft selbst als Krönung der Schöpfung und unermesslich in den Fähigkeiten sehe.
Da würden keine Knickse, keine tiefen Verbeugungen, keine hervorragend einstudierte Begrüßungsformeln,
keine noch so elegante Kleidung, … genügen und mitnichten der Pracht und Helligkeit in Gottes Nähe entsprechen.

Aber dann kommt Seine Einladung:
Komm, so wie du bist, weil ich dich liebe.
Komm, denn ich kenne dich, ich habe dich je und je geliebt, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

Und dann erfahre ich lernend von seinem Entgegenkommen:
Er kommt als kleines Kind.
ER, der große Gott verlässt seine Herrlichkeit um selbst als Mensch mir und allen Menschen zu dienen.
Nicht bloß zu dienen, sondern mich durch seinen Tod am Kreuz so derart rein zu waschen, dass ich in reinsten Kleidern aus Licht vor IHM erscheinen werde.
Und durch seine Auferstehung bringt er die Ewigkeit in greifbare Nähe. Eine Ewigkeit, vor der all die Superlativen unserer Sprache verstummen, weil auch sie es nicht fassen können.
Mit Seiner Menschwerdung erlaubt mir dieser Gott des Lebens und der Liebe sein Kind zu sein.
Und als Bruder spricht Jesus: ich gehe voraus um dir die Wohnung zu bereiten.

Da bin ich sprachlos – mit all meinen Superlativen.
Ich bin beschämt – mit all meiner Bildung,
mit all dem, das ich bereits als kleinen Zipfel der Weisheit zu erkennen glaubte.
Ich erkenne: Ich bin beschenkt mit seiner unfassbaren Liebe
und so setze ich all meine Hoffnung auf den einzig glaubhaften Hoffnungsträger des gesamten Weltalls.
Diesen Schatz will ich mir von nichts und niemand rauben lassen.

Das ist heute mein Bekenntnis und meine Überzeugung.
Aber morgen kann es schon wieder anders aussehen. Denn mein kleines Herz ist trotzdem furchtsam und zweifelt.
Oft fällt es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich unwürdig bin, dass ich Fehler um Fehler mache, Schuld auf mich lade und niemals dieses Geschenks würdig sein werde.

Bevor ich dann verzweifle
      an meinem eigenen Unvermögen,
      dem Kleinglauben und der Machenschaften des göttlichen Widersachers,
bevor das geschieht,
      muss ich schnell wieder Sein Wort, Seine Wahrheit,
      Seine Zusage und Seinen Trost mir holen.
Im Gebet, im Wort der Schrift, in der Gemeinschaft hier unter euch, in Brot und Wein beim Abendmahl.
Dann wird mich die Zusage der Gnade und Liebe wieder aufrichten, meinen Glauben festigen und die Hoffnung in Freude verwandeln. Wenn oftmals auch nur wieder kurz, so doch immer wieder und künftig in immerwährender Wärme der Geborgenheit.
Das wünsch ich uns allen.